Hans Merensky und das benachbarte Gut Rodenwalde

Hans Merensky wurde am 16. März 1871 als Sohn von Alexander Merensky in der Station Botshabelo der Berliner Missionsgesellschaft, nahe Middelburg in Transvaal geboren. Schon früh entwickelte er ein Interesse an Mineralien, was später zu seiner Leidenschaft wurde. Des Weiteren genoss er auch das Freiluftleben, so dass er nach seiner Schulzeit in Deutschland mit dem Studium des Bergbaus und der Geologie anfing. Seinen Doktortitel machte er an der Technischen Universität Berlin; seine praktische Ausbildung erwarb er in Kohlenbergwerken im Saarland und in Schlesien. Daraufhin begann er, für das preußische Bergbauministerium zu arbeiten.

1904 ging er nach Südafrika, um einige geologische Untersuchungen in Transvaal zu leiten. Schon kurze Zeit später entdeckte er Zinn in der Nähe von Pretoria. Diese Entdeckung meldete er der Bergwerksgesellschaft Premier Diamond Mine hinsichtlich möglicher Bergbauaussichten.

In der ersten Zeit in Südafrika arbeitete Hans Merensky für mehrere Bergbaugesellschaften, unter anderem bei Friedländer & Co., die ihn nach Madagaskar schickten, um einen angeblichen Goldfund bei Anosivola zu untersuchen, der sich jedoch als falsch herausstellte. Schließlich kündigte er seine Arbeitsstelle in Deutschland und zog nach Johannesburg, wo er ein erfolgreicher beratender Geologe wurde.

1909 besuchte er die Diamantenfelder von Südwestafrika und machte die umstrittene Vorhersage, dass man Diamanten an der Westküste und südlich des Oranje finden würde. 1914 verlor Merensky aufgrund des Krieges sein ganzes Vermögen und wurde in einem Feldlager nahe Pietermaritzburg interniert. Während dieser finanziell schwierigen Jahre genoss er die Unterstützung von Sir George Albu.

1924 machte er den ersten Platinfund in Lydenburg, so dass seine finanzielle Situation sich besserte. Dieser Fund wurde als Merensky Reef bekannt. 1926 fand er Diamanten bei Alexander Bay. Daraufhin verkaufte Merensky seine Schürfanteile für £1.250.000 und gründete die Phosphate Development Corporation Ltd. (FOSKOR), um die Gewinnung von Phosphaten bei Phalaborwa zu leiten.

Mit einem Teil des Geldes kaufte er 1930 von Henning von Bülow das Gut Rodenwalde in Mecklenburg, das er von dem bekannten Architekten Werner Cords-Parchim zu einem modernen Groß-Gut ausbauen ließ. In seinen letzten Jahren lebte er unauffällig auf seiner Farm Westfalia, nahe Duiwelskloof in Transvaal, wo er mit großer Gastfreundschaft und Charme nationale Berühmtheiten und ausländische Würdenträger empfing.

Er teilte den größeren Teil seines Vermögens dem Hans Merensky Trust zu, um sicherzustellen, dass seine Projekte in Landwirtschaft, Gartenbau und Forstwirtschaft auf dem Westfalia-Gut nach seinem Tod fortgesetzt würden. Außerdem gründete er die Hans Merensky Library an der Universität Pretoria.

Goldenbow war eines der drei Güter, die der Familie von Bülow gehörten. Die von Bülows selbst lebten auf dem benachbarten Rittergut Rodenwalde. Zusammen mit dem dritten Rittergut, Albertinenhof, bildeten diese Güter das prachtvollste Jagdgelände in ganz Mecklenburg mit einem ungemein reichen Wildbestand.

Hans Merensky machre seinerzeit Urlaub bei seinem Freund Major Malcomess, und wünschte sich als passionierter Jäger eine gute Jagdgelegenheit. Major Malcomess hatte für diese Jagdgelegenheit gesorgt, indem er dieses in Goldenbow nahe bei Schwerin entdeckte.

Die v. Bülows waren eine der ältesten Adelsfamilien Europas, sie konnten ihr Geschlecht 800 Jahre weit zurück verfolgen. Eine Fülle hervorragender Persönlichkeiten hatte dem uralten Namen neuen Glanz hinzugefügt.

Zu der Zeit, da Major Malcomess an den derzeitugen Gutsbesitzer Henning von Bülow herantrat, einem „Millionär aus Südafrika“ im Sommer die Jagd zu überlassen, war die wirtschaftliche Lage der Güter alles andere als rosig. Die deutsche Landwirtschaft hatte keine guten Zeiten damals. So willigte Henning von Bülow, dessen Güter mit etwa 400 000 Mark verschuldet waren, nur zu gern ein. Das Herrenhaus Goldenbow war ein grosses solides Gebäude aus dem Jahre 1696, die Einrichtung der Räume, welche Merensky zur Verfügung gestellt werden sollten, war entsprechend altmodisch, so dass Major Malcomess und seine Frau bei einer Vorbesichtigung sofortige Änderungen veranlassten. Inzwischen wurde also der Millionär aus Südafrika erwartet. Die von Bülows hatten sich aus allerlei Bruchstücken ein merkwürdiges Bild von ihm gemacht. Ein Mischmasch aus Gerüchten, Andeutungen und Tatsachen kristalisierte sich schliesslich zu einem Bild eines vulgären, lauten, zigarrenrauchenden, typischen Neureichen der keine Ahnung hatte wie man sich benimmt da er zu soviel Geld gelangt war.

Der Tag der ankunft kam. Gutsherr henning von Bülow war in Geschäften unterwegs. Er hatte seinen jüngeren SohnJürgen angewiesen, den Besucher zu bewillkommen.

„Er ist da, aber am besten kommen sie selbst herüber. Es muß da wohl ein Mißverständniss obwalten. Der Herr ist nämlich sehr nett.“
Der 17 jährige Jürgen von Henning eilte hinüber. Als er die Stufen zur Halle des Gutshauses von Goldenbow hinauf hastete, traf er auf einen etwas älteren Mann, der oben auf der Freitreppe stand.

”Guten Morgen”, sagte der ältere Herr.
”Morjen“, antwortete Jürgen, ihn kaum beachtend. Wahrscheinlich der Diener, dachte er bei sich.
Es war jedoch Hans Merensky persönlich.
In den folgenden Wochen bereitete er der Familie von Bülow weitere Überraschungen, und zeigte sich als gebildter, höflicher und - obgleich er Millionär war - bescheidener Mensch. Er wollte während seines Aufenthalts in Goldenbow nicht bevorzugt behandelt werden. Er war u.a. ein guter Weinkenner und saß mit Henning v. Bülow, der einen sehr reichen Weinkeller mit über 10.000 Flaschen besaß, stundenlang zusammen und diskutierten über die feinen Unterschiede der verschiedensten Sorten von Rheinwein. 

 

Quellenangaben: Wikipedia; Olga Lehmann: Hans Merensky, ein deutscher Pionier in Südafrika